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von KrissiOktober 2005 Ich hab zwar schon einen Bericht über Julian geschrieben, aber ich wollte einfach mal von einem Besuch von ihm erzählen, der irgendwie sehr charakteristisch für ihn war und mir stark in Erinnerung geblieben ist. Vielleicht weil es das letzte Mal war, dass ich ihn gesehen hab. Vielleicht auch, weil wir gar nichts Besonderes gemacht haben, sondern es etwas sehr Alltägliches war und es gerade diese Dinge sind, die einem so sehr fehlen. Auch wenn ich das alles noch so vor Augen habe, als sei es gestern gewesen, ist es so schwer, die richtigen Worte zu finden. Es war im Sommer 2004, als Julian mich mal besuchen kommen wollte. Nachdem er dann 2 Stunden durch Oberhausen und Essen gegurkt war, kam er - ziemlich verspätet und reichlich genervt an. Irgendwann beschlossen wir ins Kino zu gehen. Julian präsentierte mir ganz stolz das neue Auto der Familie Rabe und gleich darauf ging es los. Er hatte gerade seine Auto-CD wieder gefunden (die wirklich sehr gut ist und ich mir auch gleich gebrannt hab. Ich höre sie noch heute oft und es ist ein schönes Stück Erinnerung, das mich diesen Tag und die Wochen danach nicht vergessen lässt). Er drehte die Musik auf und fragte mich anschließend: "Du hast doch nichts gegen laute Musik?" Kurz darauf begann er lautstark mitzusingen und fragte mich in einer Atempause: "Du hast doch nichts dagegen, wenn ich singe, oder?!" Beides verneinte ich und musste grinsen, weil ihn meine Antwort wahrscheinlich eh nicht gestört hätte. Die schnellen Rocklieder übersprang er mit den Worten: "Bin grad eher in nachdenklicher Stimmung …" und beschränkte sich fast ausschließlich auf Lieder von Savage Garden. Es machte Spaß, ihm zuzusehen, wie er völlig in der Musik aufging und schallend die Texte mitsang. Als wir im Parkhaus Nähe Cinemaxx angelangt waren lief gerade in voller Lautstärke ‚Nie gesagt' von den ärzten, ein sehr schöner Song. Julian macht den Motor aus und blieb einfach sitzen, das Radio lief weiter. Ich muss ihn ziemlich fragend angesehen haben, denn er meinte mit einem Blick erklärend: "Das Lied ist so schön, das will ich nicht unterbrechen." So blieben wir also sitzen, bis es zu Ende war und stiegen erst danach aus. Auf dem Weg aus dem Parkhaus alberten wir wie immer herum und schauten uns dann den Film ‚Mindhunters' an. Der war nach Julians (und meiner nebenbei auch) Auffassung so schlecht, dass wir uns die ganze Autofahrt zurück, noch eine dreiviertel Stunde im Auto und noch Wochen später per SMS darüber lustig gemacht haben. Dieses Gespräch im Auto fand ich so schön, dass ich am liebsten nie ausgestiegen wäre und es im Endeffekt nur gemacht habe, weil ich schon viel zu spät war und Angst hatte, dass ich ärger bekomme. Habe es aber später oft bereut, dass ich nicht einfach noch ein bisschen sitzen geblieben bin und das bisschen ärger über mich ergehen lassen hab. An die Umarmung zum Abschied kann ich mich auch noch sehr gut erinnern, weil Julian diese besondere Art hatte, einen zu umarmen, dass man wusste, dass er einen lieb hat. Ich hatte mich auf eine kleine Mauer gestellt, damit wir gleich groß sind und hätte ihn am liebsten nie mehr los gelassen. Hätte ich mal... Naja, es ist wie gesagt wirklich nichts Besonderes und viele von euch werden ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber ich finde es zeigt doch ganz gut, was für eine große Rolle Musik und Filme in seinem Leben gespielt haben und dass er ein besonderer Mensch war. Aus irgendeinem Grund ist mir dieses Treffen auch besonders im Gedächtnis geblieben und ich bin sehr froh darüber. | ||||||||||||||||||||